Weniger Wut und Ärger im Gespräch

Im Alltag mit Wut und Ärger entspannter umgehen lernen, ist mit einem einfachen Satz im Kopf etwas einfacher.

Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Das ist aus meiner Sicht eine großartige innere Einstellung, mit der du deutlich gelassener in deiner Kommunikation sein kannst. Sind wir uns mal ehrlich: Es gibt Menschen deren Begegnung wir als unfassbar unangenehm empfunden haben. Die Vorstellung, diesem Menschen noch einmal über den Weg zu laufen: grauenhaft.


Nicht selten schämen wir uns sogar ganz besonders dann, wenn wir zu Menschen gemein, frech oder ausfallend waren, Wenn wir ihnen dann durch Zufall wieder über den Weg laufen, sehr unangenehm.


Aber der Gedanke, man sieht sich immer zwei Mal im Leben kann auch etwas Großartiges sein. Er kann dir dabei helfen etwas runterzufahren, wenn du dich sonst über das Verhalten anderer Menschen sehr aufregst.


Die Geschichte von Bella

Dafür möchte ich dir die Geschichte der bezaubernden blauäugigen Bella erzählen. Ich wollte sie unbedingt wiedersehen, aber das war gar nicht so einfach.


Als ich mit dem Auto auf dem Weg in mein Büro gewesen bin, ist vor mir auf einer engen Straße ein Fahrradkonvoi gefahren. Gut, die Grazien auf dem Zweirad waren zu zweit - aber sie haben sich wie ein Fahrradkonvoi verhalten.


Das heißt: ab eigentlich 15 Fahrradfahrenden bist du ein Konvoi. Dann "dürfen" immer zwei Radelnde nebeneinanderfahren.


Diese beiden Damen fuhren also nebeneinander auf der Straße und ich konnte nicht ohne Missachtung des Mindestabstandes zu diesen beiden überholen.


Ich dachte mir, die hören mich sicherlich sanft von Hinten anrauschen. Aber sie machten keinerlei Anstalten, so hintereinander zu fahren, damit ich kurz und sicher überholen hätte können. Also was tun?


Ich hätte das Fenster öffnen können und freundlich bitten können: "Würden die Damen geschwind zur Seite fahren, sodass ich mit meinem Gespann an ihnen vorbeiziehen dürfte",


Ich könnte weiderholt den Motor laut aufheulen lassen, ich könnte das Fenster runterkurbeln und schreien: "Weg von der Straße, dummes Krampfadergeschwader".


Ich könnte beide aber auch an hupen und dabei böse schauen. Ich könnte aber auch hupen und freundlich schauen (lustiges Nicken).


Aber was wenn sie durch mein enormes Horn erschrecken und den Boden küssen? Ich muss sie irgendwie auf mich aufmerksam machen, sonst kann ich ja nicht überholen. Moment - muss ich überhaupt überholen? Hab ich nicht alle Zeit der Welt.


Aus dem Impuls heraus

Die eigentlich spannende und wichtige Frage lautet: "Wie oft reagieren wir in solchen Momenten blitzschnell aus einem Impuls heraus, ohne zu überlegen.


Wer gerade stinksauer ist, weil ihm ein Vogel auf den Kopf gekackt hat, dann ins Auto einsteigt und wütend losbrettert - der oder diejenige ist vielleicht schneller an der Hupe und Schimpfwörtern wie jemand der sich über etwas Wundervolles freut.


Was helfen kann, wenn wir uns über das Verhalten und hier auch besonders über die Worte anderer Menschen ärgern: Der Gedanke: Wie würdest du damit umgehen, wenn du diesen Menschen wiedersehen wirst? Du würdest dir überlegen - Ist mir das Verhältnis zu diesem Menschen wichtig ja oder nein.


In meinem Fall kam ich zu dem Entschluss: "Ich will euch zwei Grazien wiedersehen" und bleibe jetzt erst mal völlig entspannt. Und genau dann, als ich diesen Gedanken gedacht habe: Da dreht sich doch eiskalt meine Apothekerin Bella um.


Sie strahlte mir mit ihren blauen Augen ins Gesicht, lächelte ... na gut ... sie hat sich einfach nur genervt umgedreht, weil ich wahrscheinlich seit gefühlt 15 Minuten Gedanken versunken hinter ihnen hergefahren bin und mir gedacht habe: "Sieht man sich immer zwei Mal im Leben?"


Das Wiedersehen

In meinem Fall hätte ich sie also wirklich wiedergesehen. Hätte ich sie wüst beschimpft: "Ihre beide wiegt vielleicht so viel wie eine Kolonne, seit es aber nicht - Fahrt hintereinander!" dann hätte sie mir vielleicht nie wieder ein kostenloses Päckchen Taschentücher in meine Apotheken Tüte geschmissen.


Wenn du mehr Gelassenheit willst und vor allem nicht sofort aus der Haut fahren willst: Man sieht sich immer zwei Mal im Leben.


Wie will ich mit dieser Situation umgehen, wenn mir die Beziehung wichtig ist - Dieser Gedanke kann dir dabei helfen, etwas Wut aus deinem kommunikativen Alltag zu nehmen.


Eine aggressive Großmutter beschimpft dich wüst? Was wenn das die Großmutter einer wundervollen bildhübschen Enkelin ist? Was wenn mir diese Enkelin sehr sehr sehr wichtig werden könnte?


Dieses Gedankenspiel kann durchaus Freude bereiten. Damit will ich dir auf keinen Fall sagen: Ab jetzt denke ich: "Jeder ist mir wichtig!" Nein! Hilf dir erst selbst, bevor du zum hilflosen Helfer wirst.


Dieser Impuls soll in erster Linie nur dir helfen! - Es geht um Folgendes: Mit diesem Gedanken im Kopf kannst du, wenn du willst, etwas Stress aus deinem Alltag nehmen.


Es ist aber völlig optional und nur eine Alternative zu: ich mach euch alle verbal fertig und reg mich über euer dummes Verhalten auf!


Hast du selbst schon einmal jemanden nach einer kommunikativen Situation überraschenderweise wiedergesehen, berichte uns unbedingt in den Kommentaren davon!


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